A Bigger Bang?

Shownotes

11.533 Teilnehmende. Acht Bühnen. Zwei Tage KI. Und erstaunlich wenig Touristik.

Man kann derzeit kaum einen Kongress besuchen, ohne über künstliche Intelligenz zu sprechen. Wir sprechen über Agenten, über Automatisierung, über neue Geschäftsmodelle, über Regulierung, über Jobs und über Risiken. Und manchmal ertappe selbst ich mich inzwischen bei einer gewissen KI-Müdigkeit. „Nicht schon wieder.“ Das ist insofern problematisch, weil gerade ziemlich viel passiert. Also bin ich auch in diesem Jahr wieder zum Big Bang KI Festival nach Berlin gegangen. Und diesmal habe ich Michael Buller, Vorstand des VIR, mitgenommen.

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Alvin Wan Graylin (Autor von "Our Next Reality" mit seinen AI Aposteln

Nach zwei Tagen und 11.533 Teilnehmenden später saßen wir zusammen und versuchten zu sortieren, was davon eigentlich für die Touristik relevant ist. Die kurze Antwort: ziemlich viel. Die etwas unbequemere Antwort: Die Touristik selbst war auf dem Festival kaum sichtbar. Das ist bemerkenswert. Denn unsere Branche ist keineswegs technologisches Entwicklungsland. Wir arbeiten seit Jahrzehnten mit hochkomplexen Datenstrukturen, mit dynamischen Inventaren, mit Schnittstellen, mit automatisierten Buchungsprozessen, mit Personalisierung, mit Algorithmen und inzwischen selbstverständlich auch mit KI. Warum also überlassen wir die großen branchenübergreifenden KI-Debatten so häufig anderen?

Vielleicht liegt darin bereits die erste Erkenntnis dieser zwei Tage: Wir sollten öfter aus der eigenen Filterblase herauskommen. Denn plötzlich hört man einem Handelsunternehmen wie Otto zu und denkt: Das betrifft uns. Otto berichtet, dass heute erst ein kleiner Teil des Traffics über KI kommt und investiert trotzdem bereits intensiv in diesen Kanal. Nicht weil jemand garantieren kann, dass daraus morgen 30 Prozent Umsatz entstehen. Sondern weil es strategisch fahrlässig wäre, erst dann anzufangen, wenn alle anderen schon da sind.

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Eine andere Keynote benutzt Caspar David Friedrich als Metapher. Ein Mensch steht vor einem Berg und schaut in den Nebel. Man kann dort stehen bleiben, den Nebel betrachten und sich fragen, was dahinterliegt. Oder man geht hinein. Der Punkt ist nicht, blind loszurennen. Der Punkt ist, dass diejenigen, die bereits losgelaufen sind, Erfahrungen sammeln, während die anderen noch diskutieren, wie dicht der Nebel eigentlich ist.

Aber genau hier wird das Festival interessant. Denn es war eben keine zweitägige Technik-Euphorie. Zwischen all den Demos, Robotern, Agenten und Anwendungen taucht permanent die andere Frage auf: Nur weil wir etwas können – sollten wir es deshalb auch tun? Das ist keine technikfeindliche Frage. Es ist vielleicht die wichtigste technologische Frage überhaupt. Geschwindigkeit und Verantwortung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Innovation benötigt Regeln. Regeln dürfen Innovation aber auch nicht unmöglich machen.

Michael Buller formuliert daraus für mich eine ziemlich gute Haltung: Machen. Ausprobieren. Strategie entwickeln. Und gleichzeitig genau hinschauen, wo Technologie problematisch werden kann. Vielleicht ist das die produktivste Mitte. Nicht euphorisch. Nicht ängstlich. Sondern neugierig und verantwortlich.Dazu passend und im Talk versprochen: Der Link zum Microsof Code of Conduct.

Am Ende landen wir deshalb bei einem Begriff, den man auf einem KI-Festival vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte: Optimismus. Nicht als naiver Fortschrittsglaube, sondern als Haltung. Die Überzeugung, dass es sinnvoller ist, Zukunft zu gestalten, als sie lediglich zu kommentieren.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft unseres kleinen Recaps. Die Touristik muss nicht jedem KI-Trend hinterherlaufen. Aber sie sollte sich auch nicht kleinreden. Wir haben Technologie. Wir haben Daten. Wir haben Ideen. Wir haben einen ziemlich leistungsfähigen Maschinenraum. Vielleicht sollten wir damit gelegentlich einfach ein bisschen lauter auftreten.

A Bigger Bang? Vielleicht. Aber beim nächsten Mal bitte mit ein paar mehr Touristikern.

Viel Freude beim #schlauhören!

Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media

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